Interview mit scheidender Botschafterin Dr. Susanne Wasum-Rainer

Susanne Wasum-Rainer

Interview mit ihrer Exzellenz, der Botschafterin Dr. Susanne Wasum-Rainer, für die Website von Alumni DAAD-Italien (ADIT)

Exzellenz. Sie verlassen nach drei Jahren die deutsche Botschaft in Rom und gehen nach Israel. Worin bestand Ihre Hauptaufgabe als Botschafterin hier in Rom, im Vergleich etwa zu Ihren früheren Positionen im Ausland (etwa Paris) und zu Ihrer zukünftigen Arbeit in Tel Aviv?
Als Hauptaufgabe des Botschafters an allen diesen Dienstorten sehe ich es, sich für gute und vertrauensvolle bilaterale Beziehungen einzusetzen, die Erwartungen oder Sorgen, die es in Deutschland gibt, zu erklären, aber auch umgekehrt für die Erwartungen und Sorgen dieser Länder in Deutschland Verständnis zu wecken.

Wo lagen die größten Schwierigkeiten und wie würden Sie den heutigen Zustand der deutsch-italienischen Beziehungen beschreiben?
Die deutsch-italienischen Beziehungen sind außergewöhnlich eng, intensiv und freundschaftlich. Es gibt sehr große Ähnlichkeiten zwischen unseren beiden Ländern in historischer, politischer und wirtschaftlicher Hinsicht und es gibt eine große Übereinstimmung in vielen aktuellen Fragen.
Die Schwierigkeiten, die es zu überwinden gibt, sind typisch für alle bilaterale Beziehungen. Sie entstehen aus der Verschiedenheit von Emotionen, Arbeitsstilen, historischen Erfahrungen und Traditionen. Diese Verschiedenheit ist zugleich ein großer Reichtum der internationalen Beziehungen.

Was bedeutet für Sie die deutsch-italienische Freundschaft? Was kann man tun, um sie zu pflegen?
Die deutsch-italienische Freundschaft ist ein kostbares Gut. Sie gehört zu den Fundamenten, auf der das Friedensprojekt Europäische Union ruht. Die beste Pflege der Beziehungen zwischen unseren Ländern erfolgt dadurch, dass Menschen zusammen kommen und persönliche Freundschaften schließen.

Sie haben 2016 die Gründung von Alumni DAAD-Italien (ADIT) unterstützt! Welche Rolle spielt ein solcher Verein in den deutsch-italienischen Beziehungen?
Die Gründung der ADIT steht genau in diesem Geiste. Sie war mir ein Herzensanliegen. Ich freue mich sehr, dass sie zu meiner Zeit gelungen ist und ich bin allen sehr dankbar, die sich dafür eingesetzt haben. Wissenschaft und Forschung bildet ein unglaublich starkes, verbundendes Band zwischen unseren beiden Ländern. Und ich finde, dass dieser Rolle in Zeiten von „fake news“ eine immer noch größere Bedeutung zukommt.

Wie sehen Sie Italiens Zukunft innerhalb der EU?
Italien ist Gründungsmitglied und eines der größten Wirtschaftsmächte der EU. Italien trägt herausragende Verantwortung für das europäische Projekt. Ich erwarte, dass von Italien ebenso wie in der Vergangenheit auch in Zukunft Impulse ausgehen, die dazu beitragen, die EU noch effizienter, stärker und zukunftsfähig zu machen. Ich erwarte auch, dass die EU und die anderen EU-Partner Solidarität zeigen, wenn Italien in besonderer Weise gefordert ist, insbesondere bei der Bewältigung der Herausforderungen der Migration.

Ziehen Sie Bilanz: Welches Bild haben Sie nach Ihrer Amtszeit nun vom italienischen Denken, von Problemen und Ängsten in diesem Land zum Beispiel gegenüber den Migrationswellen?
Mit großem Respekt habe ich gesehen, was in Italien für die vielen Migranten getan wird, die seit Jahren afrikanische Länder verlassen, um in Europa ein besseres Leben zu finden. Die Politik der Zusammenarbeit mit Herkunfts- und Transitländern war erfolgreich, auch wenn dadurch die Probleme noch nicht gelöst sind. Die Migration ist eine Herausforderung, die uns noch viele Jahre beschäftigen wird. Wir müssen hier ehrlich sein. Lösungen entstehen nicht durch das Spiel mit Ängsten, sondern mit beherztem Einsatz mit einer großen Verschiedenheit effizienter Maßnahmen, in Italien, in Europa und in Afrika.

Frau Botschafterin, eine kurze Frage zu Ihrer zukünftigen Arbeit in Tel Aviv. Israel ist ja ein Einwanderungsland. Können wir von Israel lernen, wenn es um die Integration von Flüchtlingen geht?
Es ist richtig, Israel definiert sich als Einwanderungsland und hat in den 70 Jahren seit der Gründung des Staates Millionen von Einwanderern aufgenommen. Dennoch scheint mir die Situation zwischen der Migration nach Europa und der Einwanderung nach Israel kaum vergleichbar. Die israelische Erfahrung zeigt jedoch, dass eine Integration von Menschen gelingt, wenn sie von der Gesellschaft gewollt wird, wenn die Einwanderer schnell die Sprache erlernen und Arbeitsplätze geschaffen werden können.

Was werden Sie nach drei Jahren hier in Italien mit nach Israel nehmen?
Ich werde Italien verlassen erfüllt von den Eindrücken der unendlichen Schönheit, des kulturellen Reichtums und der tiefen Humanität dieses Landes. Dies wird ein starkes Rüstzeug für mich zur Bewältigung meiner neuen Aufgaben sein.

Gibt es etwas, was Sie jetzt schon vermissen werden?
Wie ist nur ein Leben ohne frische Mozarella mit Pomodori möglich?!!

Als Diplomatin waren Sie schon in verschiedenden Funktionen auf der halben Welt zu Hause. Wie definiert eine Botschafterin Heimat?
Heimat ist nicht nur ein fester Ort auf der Landkarte, sondern auch einer im Herzen, z.B. dort wo ein guter Freund oder eine gute Freundin mich mit offenen Türen willkommen heißt, wenn ich Sehnsucht danach habe.

Frau Botschafterin, wir danken Ihnen für das Gespräch.

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